LKZ vom 27.09.2000
Misere setzt sich nahtlos fort
Sonja Hanselmann-Jüttner, Tamm, beklagt den Unterrichtsausfall an einem Ludwigsburger Gymnasium.
Es ist kaum zu glauben: Schon am Schuljahresbeginn müssen die Ludwigsburger Gymnasien massiven Stundenausfall infolge Lehrermangels beklagen. Was soll da erst geschehen, wenn wegen Krankheit, Versetzungen oder Schwangerschaften weitere Ausfälle zu verzeichnen sind? Selbst in einem Schuljahr, in dem ja immerhin eine Landtagswahl ansteht, setzt sich die Misere an unseren Schulen nahtlos fort.
Wir haben auch zwei Kinder an einem Ludwigsburger Gymnasium. Im vergangenen Schuljahr hatte meine Tochter in der zehnten Klasse über drei Monate keinen Deutschunterricht. Die Parallelklasse hatte ebenfalls monatelang keinen Englischunterricht. Und dies in einer zehnten Klassenstufe, die für einige Schüler das letzte Schuljahr ist. Was macht es für einen Eindruck, wenn ein Schüler in seinem Zeugnis keine Note für Deutsch oder Englisch nachweisen kann? Dieses Schuljahr entfällt bei unserem Sohn voraussichtlich der Religionsunterricht.
Offenbar sind sich CDU und FDP ihres Sieges bei der kommenden Landtagswahl sehr sicher, sonst würden sie nicht solche Zustände tolerieren. Dass keine Lehrer zu bekommen sind, halte ich übrigens für ein Gerücht. Das Problem ist vielmehr, wie wir selbst anhand des Ersatzes für den Deutschlehrer hautnah miterleben durften, dass die Einstellung nach Monaten des Nichtstuns durch die Kultusbürokratie binnen weniger Tage vor Beginn des zweiten Schulhalbjahres und dies auch noch befristet erfolgen sollte. Welcher Lehrer im Wartestand verläßt schon Hals über Kopf seine derzeitige Stelle, um dann mit einer befristeten Anstellung in eine unsichere Zukunft zu gehen?
Der letzte Absatz wurde von der LKZ leider nicht veröffentlicht:
Festzustellen bleibt zuletzt, dass die Unterrichtsqualität (entgegen den Behauptungen von Ministerin Schavan) durchaus etwas mit Quantität zu tun hat: Was kann schlechter sein als permanenter Unterrichtsausfall? Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Baden-Württemberg als eines der reichsten Bundesländer gibt am zweitwenigsten pro Kopf für die Bildung aus.
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| Gerhard Jüttner, 71732 Tamm gerhard@juettner.de |